Pro-Fil 2014

Mit den nachfolgenden Berichten möchten wir Sie über die Verwendung der Gelder im Jahr 2014 und den Stand der Hilfsprojekte informieren.

Kumbaya- Foundation

Ein Teil des Geldes stellten wir Pastor Robert Ssenfuma aus Uganda zur Verfügung, der in Kampala/Uganda eine Einrichtung leitet, die sich um Waisenkinder kümmert. Die Kumbaya- Foundation (so der Name in Ableitung des bekannten Gospelsongs) hat als Kern den Kumbaya-Kinderchor. Dieser Chor wird ebenfalls von Robert Ssenfuma geleitet und er gibt den Kindern durch die Musik (auch Instrumentalspiel wird dort gelehrt) eine besondere Lebenskraft. Es war mir eine Ehre, Robert Ssenfuma im November/Dezember 2014 einige Wochen als Gast in meinem Haus beherbergen zu dürfen, und so ein kollegiales Miteinander im Sinne der guten Sache und im Geist der Musik erleben zu dürfen. Robert Ssenfuma ist der Landesvertreter für Uganda des Internationalen Chorleiterverbandes ICV (ICA), dessen Vorsitzender ich bin. Robert nutzte die Gelegenheit seines Aufenthaltes hier, um chormusikalisch bei mir zu hospitieren, Workshops in afrikanischer Musik zu geben und Kontakte zu knüpfen, um die Arbeit für seine 60-80 Waisenkinder (von Säuglingen bis zu Jugendlichen) auch in Zukunft sicher zu stellen.

Philippinen

Natürlich laufen die Hilfsprojekte in Cebu/Philippinen auch weiter. Allerdings konnte ich am eigenen Leib feststellen, dass in Deutschland oftmals nur dann Spenden gesammelt werden, wenn eine mediale Präsenz des Ereignissen geschaffen wird: Bei dem Taifun Senyang auf der Insel Cebu im Dezember 2014, durch den allein in meinem direkten Umfeld 28 Menschen zu Tode kamen und insgesamt 69 Personen starben, Brücken, Straßen und Felder zerstört wurden, wurde keinerlei Hilfe aus Deutschland geleistet, da im Fernsehen nicht darüber berichtet wurde. Der Taifun wurde hier nicht wahrgenommen. Aber so ist das eben…

2014 war ich zweimal in Cebu (es ist eigentlich überflüssig zu erwähnen, dass ich diese Reisen selbst finanziere, aber da wir einige neue Spender haben, möchte ich es doch erwähnen) und konnte mich von den vielen positiven Entwicklungen überzeugen. Die Hilfe kommt an und man sieht es vor allem dann, wenn einige Monate zwischen den Besuchen liegen. Die Helfer vor Ort sehen es oft nicht so deutlich…

Berichte

Unser Kontaktmann Pater Heinz Kulüke, SVD hat einige Eindrücke zusammengefasst. Gerne gebe ich das Wichtigste weiter:

Im Januar sowie im Juli, August und Dezember 2014 standen neben den Besuchen der verschiedenen Sozialprojekte auf der Insel Cebu die Katastrophengebiete des Taifuns und Erdbebens (Leyte/Tagloban und Bohol) im Vordergrund. Mittlerweile konnte dort dank der so großzügigen Unterstützung aus Deutschland vielen Menschen in Not ganz konkret geholfen werden.

Katastrophengebiete

Der Taifun Hayjan (in Asien hieß er Yolanda) liegt etwas über ein Jahr zurück … Die Bilder von den erschütternden Ausmaßen des Taifuns gingen durch die Medien in Deutschland und weltweit. … 2 Millionen Menschen haben dabei viele Angehörige und ihr ganzes Hab und Gut verloren. … Die Soforthilfe kam in Form von Nahrung, Trinkwasser, medizinischer Versorgung, Traumaarbeit und Hilfe bei der Bestattung der zahlreichen Toten. … Nun kommen die Wiederaufbauarbeiten gut voran. … Zwei Schulklassen aus dem Siegerland und dem Wissener Raum haben Spendenaktionen gestartet, die wir für den Wiederaufbau einer Schule in Tagloban verwenden konnten. Schüler helfen Schülern – eine tolle Aktion, die auch durch die heimische Presse ging.

Mittlerweile konnten wir mit dem Entwicklungsbüro der Steyler Missionare neben den umfangreichen Soforthilfen für 25.000 Familien über 5.500 neue Unterkünfte bauen, damit die Menschen nicht mehr in Zelten leben müssen. … Bis zum Neuaufbau einiger Schulen fand der Unterricht für die Grundschulkinder unter Planen statt … Vor allem wird es weiterhin darum gehen, den von der Regierung vergessenen Kleinbauern und Fischern wieder Einkommen zu verschaffen, etwa durch Bau von 150 Booten und Vergabe von Saatgut und Kleinvieh. … Etwa 300 Kinder begrüßten Father Heinz und sagten SALAMAT (Danke) dafür, dass sie wieder in die Schule gehen können … Die Leiterin der Dorfgemeinschaft stellte Heinz eine etwa 30-jährige Frau namens Jocelyn vor. … Jocelyn hat ihren Ehemann und zwei Kinder während des Taifuns verloren … Sie zeigte ihm ihr neues Haus, in dem sie mit ihren beiden Kindern wohnt. … Sie weiß, dass das Leben vor allem ihrer Kinder wegen weitergehen muss … Für ihr neues Zuhause und für die Finanzierung der Schulung ihrer Kinder ist sie von Herzen dankbar. All diese Hilfe wäre ohne die so großzügige Unterstützung zahlreicher Menschen in der Heimat nicht möglich gewesen. Gerade in Zeiten der bitteren Not bedeutet weltweite Solidarität sehr viel und schenkt neues Leben … Nicht vergessen zu sein macht Mut, das Leben wieder selbst neu in die Hand zu nehmen …

Hausbauprojekte

23. Juli 2014 – Besuch des Hausbauprojekts in Talisay (San Pio Village) – Das Hausbauprojekt hat große Fortschritte gemacht. Von den etwa 400 vorgesehenen Häusern sind bereits über 200 fertig und bewohnt. Spielende Kinder bestimmen das Straßenbild. Die Begrüßung bei unserer Ankunft ist sehr herzlich. – Meine Gedanken: Viele dieser Menschen haben noch bis vor wenigen Monaten auf den Mülldeponien, entlang der Flüsse, in verarmten Fischerdörfern oder in anderen Slums gelebt. Im Umsiedlungsprojekt haben sie für sich und ihre Familien ein neues Zuhause gefunden. Es ist für Father Heinz eine schöne Erfahrung, Projekte zu besuchen und nicht die ersten Stunden mit der medizinischen Versorgung der Kinder beschäftigt sein zu müssen: Kaum ein Kind ist krank, alle gehen in die Schule und bereiten sich so auf eine bessere Zukunft vor. – Ich freue mich mit diesen Menschen, die wirklich einen weiten Weg gegangen sind und ein wichtiges Ziel erreicht haben. Sie haben verstanden, dass man Lebensumstände verändern kann und nicht alles akzeptieren muss. – Grace lässt die Hand von Pater Heinz bei dem Rundgang durch das neue Dorf nicht mehr los. Er kennt das kleine Mädchen von der Mülldeponie der Stadt Cebu. Auf der Deponie war sie ständig krank und einige Male dem Tod sehr nahe. Heute ist sie gesund und gut ernährt. Sie erzählt von ihren Erfahrungen in der Schule und im Alter von nur 8 Jahren von ihren Träumen für sich und ihre Familie. … Eine bewegende Begegnung, die sich so oder anders in den kommenden Tagen mehrmals wiederholen wird. – Der Dank für all das geht an die großzügigen Menschen in der Heimat, die dieses Projekt und viele andere Projekte immer wieder mit viel Wohlwollen unterstützt haben.

Mülldeponien

Am 18. Juli 2014 schreibt Pater Heinz Kulüke diesen Bericht nieder: „Mülldeponie Cebu- Mandaue – Ein 10-jähriges Mädchen auf der Deponie zieht mich an die Seite … Ob ich ihr helfen kann, fragt Shari … Seit einigen Wochen hat sie wieder diese Anfälle, sagt sie … Die Mutter der sechsköpfigen Familie ist nach einem Streit mit dem betrunkenen Vater weggelaufen … Nun hat sie keine Medizin mehr … „Bitte hilf mir …“, unterbricht sie immer wieder ihre Geschichte … Shari hat Epilepsie … Mit nur zehn Jahren muss sie sich nicht nur um sich selber kümmern, sondern auch um ihre vier kleinen Geschwister, während der Vater das Geld für die tägliche Nahrung aus dem Müll der Großstadt Cebu herauszukratzen versucht. … Großzügige Menschen in der Heimat ermöglichen uns die medizinische Versorgung von Tausenden von Menschen in den Slums der Insel Cebu … Dafür sind wir von Herzen dankbar.“

Menschen in Stadtslums

Hier ein Auszug aus dem Tagebuch nach einem Besuch der Menschen in Kamagayan : „Dreißig Familien finden wir an diesem Augustabend zusammengepfercht in einer alten Lagerhalle. … Die Familien sind von den Gehwegen der Stadt vertrieben worden. … Eine bessere Unterkunft würde auf sie warten … Selbst nach einem Jahr ist die Versprechung nicht wahr geworden … Überall liegen die Kinder auf schmutzigen Pappkartons. … Viele von ihnen sind krank und müssen dringend medizinisch versorgt werden … Der Rundgang von Familie zu Familie enthüllt viele weitere Probleme … Wir versorgen die vier Kleinkinder von Tony … Alle haben hohes Fieber und starken Husten … Tony erzählt dabei, wie seine Frau vor einigen Wochen bereits von der Polizei verhaftet wurde und seitdem im Gefängnis sitzt. … Sie hatte sich den Männern widersetzt, die ihre armselige Bleibe auf dem Gehweg abgerissen haben … Tony weiß kaum, wie er die Kinder ausreichend ernähren kann. An die Gesundheitsversorgung und auch an die Schulung der Kinder ist kaum zu denken … Viele Menschen wie die Familie von Tony brauchen in den Stadtslums Hilfe bei der Ernährung, Gesundheitsversorgung und Schulung ihrer Kinder … Unser Entwicklungsbüro hat vielerlei Programme, die gerade diesen Menschen helfen … Von Menschen gemachtes Leiden muss auch von Menschen verändert werden … Die Ernährung, Schulung und Gesundheitsversorgung gerade der Kinder spielt dabei eine wichtige Rolle …“

Straßenmenschen

Hier noch ein kleiner Bericht vom Januar 2014, der zeigt, wie wichtig und angesehen Pater Heinz Kulüke dort ist, und wie sehr man ihn in Cebu vermisst und erwartet, seit seiner Berufung zum weltweiten Leiter der Steyler Missionare und dem damit verbundenen Weggang nach Rom:

„Die Nachricht meiner Rückkehr nach Cebu hat sich bei den Familien auf den Gehwegen schnell herumgesprochen … Jeden Abend stehen hilfsbedürftige Menschen vor der Tür … Dabei geht es um Nahrung, um Medizin, die Schulung der Kinder und Hilfe bei Beerdigungen … Die 25-jährige Brenda bittet mich, sie zu ihrem Platz auf dem Gehweg in der Nähe der Kathedrale zu begleiten … Ein Pappkarton … zwei kleine Kinder notdürftig mit Lumpen zugedeckt, um sie vor den vielen Mücken und Kakerlaken zu schützen. … Im letzten Jahr, als ich auch in Cebu war, half ich Brenda, ihren einzigen Jungen zu beerdigen … Geboren in eine Welt hinein ohne Platz … Die Anzahl der Straßenkinder wächst. … Die Probleme in der Generalleitung der weltweiten Steyler Ordensgesellschaft scheinen klein im Vergleich zu denen der Familien auf den Gehwegen … Hier geht es häufig um Leben und Tod … „

Rotlichtmilieu

Ein besonderer Brennpunkt ist natürlich der Bereich der (Zwangs-)Prositution. Hierzu der Bericht vom 18. Juli 2014 aus Cebu City:

Rotlichtmilieu – Straßenstrich: „Die Unterhaltungen mit den jungen Mädchen auf den Straßenstrichs stimmen immer wieder nachdenklich. … Im Grunde sind sie alle Opfer einer kranken und korrupten Gesellschaft … Ausgenutzt häufig schon als Kinder armer Familien in den Slums und dann als Opfer der Menschenhändler, ist ihr Lebensweg vorgezeichnet … Die Wunden tiefer seelischer Verletzungen lassen sich nur schwer durch Rehabilitierungsprogramme ausheilen … An diesem Abend spreche ich mit Joni … Mit vierzehn begann ihr ungewolltes Leben in den Rotlichtmilieus der Stadt Cebu … Die Einzelheiten der Ausbeutungen lassen nicht in Worte fassen … Sie spricht einige Brocken Italienisch, Japanisch, Koreanisch und Deutsch … Das hat sie von einigen Kunden gelernt … Heute Abend ist sie wieder auf dem Strich … „Ich komme ganz einfach nicht hier raus.“ … Mit 22 Jahren ist das Leben fast schon zu Ende … Die Aufklärungsprojekte, um junge Mädchen vor den Anwerbern zu warnen, laufen weiter … Auch die Rehabilitierung muss weitergehen … Den Förderer/innen gilt der Dank …“

Ausblick

Man sieht, wie viele Einsatzbereiche parallel laufen und wo überall Hilfe benötigt wird – auch in Zukunft brauchen wir also Spenden und Unterstützung. Pro-Fil will auch einer besonderen Einrichtung Hilfe zukommen lassen: Dem Haus Sameritano. Diese Einrichtung, die von der polnischen Ordensschwester Ewa geleitet wird bietet Straßenkindern, aber auch Erwachsenen Obdachlosen eine Zuflucht und Anlaufstation. Ich konnte Ewa mehrmals dort besuchen und habe ihr Unterstützung durch unsere Spender hier in Deutschland zugesagt. Es war für mich interessant zu sehen, wie die Menschen sich über Generationsgrenzen hinweg gegenseitig helfen und Mut zusprechen – Alt und Jung in einem Haus. Das hat mich fasziniert und ich kann es nicht erwarten, im Sommer 2015 wieder dort zu sein und mit dem Menschen dort Zeit zu verbringen.

In der Zukunft wird es wichtig sein, weiterhin etwa 1.500 Kindern den Schulbesuch zu finanzieren. Dafür reichen 50 Euro pro Jahr für ein Kind in der Grundschule. In der Mittelschule sind das für den selben Zeitraum 90 Euro für Schulmaterialien, Bücher, Schulkleidung, Schuhe, Schulgebühren, Nahrung und Fahrgeld. Die Versorgung mit Nahrung, Medizin, Hilfe bei Beerdigungen ist ebenfalls wichtig, genau wie die Unterstützung von einkommenschaffenden Maßnahmen und die Hilfe beim Bau von Unterkünften. Die Menschen in Cebu und Umgebung sind sehr dafür dankbar.

Auch dort in Cebu findet natürlich ehrenamtliche Hilfe statt. In einem Jugendprojekt an der Universität San Carlos, zu dem mich Brothes Paul (ein philippinischer Geistlicher) mehrfach eingeladen hat, arbeitet im Leitungsteam auch der 18 jährige Raji mit. Er wird zum Lehrer ausgebildet und sorgt sich in seiner Freizeit um die jüngeren Straßenkinder. Kaum jemand wird die Situation der Kinder auf den Straßen wohl besser verstehen als er. Viele Jahre lebte er wie sie und verdiente als Müllsammler und Bettler seinen täglichen Reis. Hunger, Krankheiten und Misshandlungen durch die Polizei gehören zu seinen Erfahrungen. Das oben erwähnte Haus des Samariters (Sameritano) ist sein neues Zuhause. Jetzt hilft Raji anderen Kindern in Not. So lebt die Geschichte des barmherzigen Samariters auch heute noch weiter, nicht vorbeigehen, wenn unsere Hilfe notwendig ist.

Dies ist eigentlich die Grundidee des Christentums und anderer Religionen. In diesem Sinne hoffe ich, dass die erfolgreiche Arbeit weitergeht.

Am 28.02.2015 veranstaltete der Männerchor Liederkranz Wallmenroth ein Benefizkonzert für Pro-Fil. Mit dabei sind viele ehrenamtliche Helfer, Spender und Gastchöre. So wird wieder ein Grundstock für unsere Arbeit gelegt. Allen Mitwirkenden sei ein HERZLICHES DANKESCHÖN gesagt.

Und wenn Sie diese und andere Informationen im Internet finden können, dann liegt es an der hervorragenden Arbeit unseres Internet-Beauftragten Robert Brock (Fa. Chorius), der die neue Internetpräsenz unter www.Pro-Fil-Hilfe.org erstellt hat und sie vorbildlich pflegt. Auch dafür VIELEN DANK !

Sollten Sie zu den hier angesprochenen oder anderen Themen konkrete Fragen oder Anregungen haben, so zögern Sie bitte nicht, mich zu kontaktieren.

Ich verbleibe mit herzlichem Dank für Ihre Unterstützung, im Namen derer, denen sie zu Gute kam/kommen wird und wünsche Ihnen alles erdenklich Gute.

Mit freundlichem Gruß

Matthias Merzhäuser
ProFil – Hilfe für Kinder in Not e.V.
Vorsitzender

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