Spendengelder 2011

Das Jahr neigt sich dem Ende. Dankbar versucht der nachfolgende Bericht, einen Einblick in die ersten Erfolge der von vielen Menschen so großzügig unterstützten Projekte zu geben:

  • Leben im Müll
  • Chancen durch Bildung
  • Ausbeutung junger Mädchen in den zahlreichen Rotlichtmilieus
  • medizinische Versorgung der Menschen in den Slums

Müll

Die Mülldeponien sind unsere bleibende Sorge. Immer wieder finden sich dort neue Familien ein, die auf vielfältige Weise Hilfe benötigen. Und dies vor allem bei der Schulung der Kinder, denn „der Ausweg aus Armut und Elend ist der Bildungsweg“.

20. August 2011- Samstagabend. Vorabendgottesdienst auf der Mülldeponie in Mandaue. Am Ende des Gottesdienstes bittet Pater Heinz Kulüke (in meinen Augen der „Engel von Cebu“) die Kinder, das Dankgebet frei zu formulieren. Ein achtjähriges Mädchen betet: „Lieber Gott, ich danke Dir für den vielen Müll, denn wenn es den Müll nicht gäbe, hätten wir keine Arbeit und auch nichts zu Essen. Ganz herzlichen Dank!“ . Das Mädchen weiß, wovon es spricht. Schon im Alter von nur sechs Jahren hat sie gelernt, auf der stinkenden und rauchenden Müllhalde nach wiederverwertbaren und verkaufbaren Materialien zu suchen. So trägt sie ihren Teil zum Lebensunterhalt der Familie bei. Erst seit einigen Monaten geht sie in die Schule. Jedes Wochenende und an schulfreien Tagen arbeitet sie weiterhin auf dem Müll .

Bildung

14. August 2011- Besuch auf der Mülldeponie Cebu: Der Buntstift wirkt viel zu gross in der kleinen Hand des mageren siebenjährigen Jungen in Schuluniform. Das weisse Blatt Papier vor ihm, mit einigen Buchstaben „D“ und „L“ in Rot, erscheint als scharfer Kontrast zu dem dreckigen Fussboden der Hütte, notdürftig aus Abfallmaterialien von der Mülldeponie erstellt. . Immer mehr „Ds“ und „Ls“ aus der Hand des Jungen füllen das Blatt. . Es kostet ihm Kraft, sein Gesicht ist ernst, Schweissperlen auf der Stirn, hin und wieder ein freudiges Lächeln, wenn wieder eine Zeile voll ist. . Umgeben von Mutter, Vater und Großmutter . Sie beobachten das Geschehen mit stolzem Blick. . Ein Kind lernt schreiben . ein besonderes Kind, aufgewachsen auf einer Mülldeponie, häufig hungernd, krank und dem Tod nahe. Die Eltern haben die Grundschule nie beendett. Die Grossmutter musste schon nach dem ersten Jahr abbrechen. Sie kann selber nicht schreiben und bestaunt nun wohlwollend ihr Enkelkind. Man freut sich mit der ganzen Familie. Ein wunderschönes Bild. Ein Kind umgeben von absoluter Armut, dennoch ein Licht im Dunkeln, Hoffnungsträger einer besseren Zukunft .

Immer mehr Kinder der 4 Mülldeponien Cebus, auf denen weit über 7.000 Menschen leben, sind in den letzten Jahren eingeschult worden, haben nach dem Kindergarten die Grundschule fertig gemacht und sind heute in der Mittelschule oder haben schon mit der Berufsausbildung begonnen. Ob sie später Arbeit finden, in der Zeit der Wirtschaftskrise, in der täglich immer mehr andere ihre Arbeit verlieren… All das ist unsicher, dennoch eingeschult zu sein, hat die Kinder und deren Familien verändert. Sie haben ihre Würde wieder entdeckt. Und das ist wichtig gerade für „Müllmenschen“, die nicht nur auf einer Müllhalde leben, sondern auch häufig wie Müll behandelt werden. All das muss sich ändern. Dabei spielt die Schulung dieser Kinder eine so wichtige Rolle. Es ist sehr schön, bei den Besuchen der Mülldeponien so viele Kinder nachmittags in Schuluniformen zu sehen, was ganz einfach heisst, dass sie eingeschult sind und sich so auf eine bessere Zukunft vorbereiten.

Ohne die großzügige Hilfe von Menschen, die einfach Geld spenden, wäre all das nicht möglich. Die Menschen von den Deponien wissen das sehr zu schätzen. Es kostet 50 Euro ein Kind ein Jahr lang in der Grundschule zu fördern. In der Mittelschule sind es 90 Euro. Damit sind die Kosten für Schulmaterialien (Hefte, Stifte, Bücher), Schuluniformen, Schuhe, Rucksäcke, Transport, medizinische Grundversorgung und Nahrung abgedeckt. Alljährlich bleibt die Herausforderung, bis zu 2.500 Kinder der Müllsammlerfamilien aber auch der in anderen Slums lebenden Familien zu fördern. Bereits 46 Kindergärten wurden gebaut und bereiten über 3.000 Kinder auf die Grundschule vor. 40-70 jungen Leuten wird zudem alljährlich die Berufsausbildung finanziert.

Prostitution

Der Menschenhandel und die Ausbeutung junger Mädchen in den zahlreichen Rotlichtmilieus der Insel Cebu sind eine weitere Herausforderung. Immer mehr Menschen sind HIV positiv. So konnte der Missionar und Pater Prof. Dr. Heinz Kulüke, Leiter der Universität San Carlos und Pro-Fil-Partner in Cebu folgendes Erlebnis exemplarisch berichten:

„Mein Name ist Noemi“, stellt sich das nur etwa fünfzehnjährige Mädchen bei unserem Besuch des Nachtclubs vor einigen Jahren vor. Als die Anwerber kommen, lebt sie mit ihrer Mutter und ihren Geschwistern in einem der Elendsviertel von Cebu. „Es fehlt ganz einfach an allem“, erzählt Noemi. Der Vater ist durch einen Unfall schwerstbehindert. Die Mutter versucht die fünfköpfige Familie als Putzfrau über Wasser zu halten. Häufig reichen die geringen Einkünfte nicht einmal für die täglichen Mahlzeiten. Den Schulbesuch haben Noemi und ihre Geschwister schon länger einstellen müssen. . Die Anwerber versprechen Noemi Arbeit in einem Restaurant. Die Mutter stimmt zu, weil sie die zusätzlichen Einnahmen dringend für das Überleben der Familie braucht. Doch sehr bald kommt das böse Erwachen. Anstelle eines Restaurants findet sich Noemi in einem Nachtclub wieder. So gerne sie es getan hätte, sie kann ganz einfach nicht fliehen, berichtet sie mit Tränen in den Augen. Sie erzählt davon, wie sie als Tänzerin arbeitet und dann immer wieder an Kunden verkauft wird. Häufig wird sie missbraucht. . Geschlechtskrankheiten, Drogen, noch nicht einmal sechzehn ist sie das erste Mal schwanger. . Noemi ist dankbar, dass jemand ihr zuhört . Zuflucht findet sie zunächst in unserem Drop-In Zentrum. Hier beginnt ein neues Leben, das sie sehr bald in unserem REHA Zentrum fortsetzt. Immer mehr fängt sie an zu verstehen, wie sehr sie ausgenutzt worden ist. Nur langsam heilen die tiefen Wunden massiver Ausbeutung. Noemi träumt von einem besseren Leben für sich und ihre Familie. Sie macht die Mitteschule fertig und beginnt dann eine Berufsausbildung. Ihr grosser Traum ist, eines Tages als Stewardess zu arbeiten. Das Studium schliesst Noemi mit Erfolg ab. Darüber ist die nun 22 jährige überglücklich. Und noch mehr. Noch während des Studiums arbeitet sie als Freiwillige in unseren Aufklärungsprojekten mit. Sie hat die anderen Mädchen in der Szene nicht vergessen. Sie will helfen, andere Mädchen vor den Anwerbern zu warnen, um sie vor dem gleichen Schicksal zu bewahren.

Das Drop-In Zentrum für die Mädchen aus den Rotlichtmilieus wird alljährlich von bis zu 700 Mädchen besucht. Im Rehabilitierungszentrum sind bereits weit über 350 junge Mädchen versorgt und auf ein neues Leben vorbereitet worden. Ein anderes Programm hilft bei der Wiedereingliederung der Mädchen in die Gesellschaft. Ein Cinemobile dient der Vorbeugung und versucht, junge Menschen vor allem auf der Insel Mindanao vor den Menschenhändlern zu warnen.

Gesundheit

Auch die medizinische Versorgung der Menschen in den Slums spielt weiterhin eine wichtige Rolle. Dank der Hilfe Organisation „Ärzte für die dritte Welt“ werden durch die „German Doctors“ alljährlich über 30.000 Menschen mit medizinischer Hilfe versorgt. Die meisten davon sind Kinder, die besonders unter den Lebensbedingungen in den Slums leiden.

Weiterhin werden Projekte für Strassenkinder betrieben, Haubauprojekte, um Müllmenschen umsiedeln zu können, und spontane Unterstützung notleidender Familien nach Grossbränden und Naturkatastrophen.

Bitte helfen Sie auch weiterhin mit. DANKE sagen die Mitglieder von „Pro-Fil – Hilfe für Kinder in Not“.

Matthias Merzhäuser

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